In Planung
"QUIVIVE" Spielfilm - Kino-Koproduktion
Drehbuch von Erwin Michelberger
gefördert von der Film -und Medienstiftung NRW
Fertiggestellt
Ifá oder der kleine Erwin (Arbeitstitel: "sagenhaft")
Auf der Suche nach heilenden Kräften - über die Erfindung der Götter - auf holprigen Wegen zum Ich.
Dokumentarfilm von Erwin Michelberger 86 Minuten
Mit Edoh EL Loko, Goka "der Vierte" Agbégninon, Dorothea Fuckert, Erwin Michelberger, Mawuli Komi Kougbe, Eric May, Exedji Kokou, Francis Sipopke, Crédo Messan-Djrakou, Hounsouglo Hagoume und vielen anderen.
Kamera: Justyna Feicht- Schnitt: Philipp Enders - Musik: Gleb Choutov - Mischung: Shinya Kitamura - digitale Bearbeitung: Matthias Paeper - Koordination in Togo: Hounovissi Agboto
eine Michelberger Film Produktion gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
Termine
3sat, 16. Oktober 2011, 21.45 Uhr
Ausstrahlung „LUS oder Geschmack am Leben“
3sat, Dokumentarfilmzeit
20. April 2011, 19.00 Uhr in Düsseldorf
Premiere „LUS oder Geschmack am Leben“
in Anwesenheit von Erwin Michelberger und Team!
Atelier-Kino, Graf Adolf Straße 47, Tel.0211-5663496
Presse
Interview, 3sat (ZWEITES DEUTSCHES FERNSEHEN) 10 / 2011
"Die Ehrlichkeit ist das Tabu"
Interview mit Erwin Michelberger
Für seinen Film "LUS oder Geschmack am Leben" stellte Filmemacher Erwin Michelberger Bestattungsriten und Vorstellungen vom Leben nach dem Tod aus verschiedenen Religionen einander gegenüber. Der Film erlebte 2010 auf der Duisburger Filmwoche seine Uraufführung und hat jetzt in 3sat seine TV-Premiere. Acht Fragen und Acht Antworten.
Sind Sie ein morbider Mensch, oder was hat Sie bewogen, sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen?
Wenn Sie die tote Hand ihrer Mutter in ihre Hand genommen und die Kälte und Stille empfunden haben, hat das nichts mit Morbidität zu tun. Der Tod ist immer mit uns, wenn wir klein sind ist er klein, wenn wir Erwachsen sind ist er groß. Alle Beteuerungen der Menschen sie hätten keine Angst vor dem Tod halte ich für Lügen.
Ist das Thema nach wie vor ein Tabu in unserer Gesellschaft?
Die Ehrlichkeit ist das Tabu. Wer kann sich das eigene Nichts, das vollkommene Verschwinden vorstellen?
Sie durften erstmals Totenwaschungen bei Juden und Moslems filmen. Wie kam das zustande?
Durch Vertrauen. Und durch Zuversicht dass der Film Herz und Verstand berührt.
Was macht Jerusalem als Ort zum Nachdenken über das Thema besonders?
Von den 'großen Religionen' sind drei in Jerusalem besonders präsent. Judentum, Christentum, der Islam. Alle drei beteuern, dass die Menschen nach dem Tod auferstehen werden. Das es eine Gerechtigkeit im Jenseits gibt.
Redeten Ihre Protagonisten bereitwillig über ihre Vorstellungen dieser Gerechtigkeit?
Wenn die Menschen merken, dass es einem ernst ist, dann öffnen sie sich.
Die Menschen in ihrem Film sitzen alle vor dem gleichen Himmel und scheinen durch die Montage einander zuzuhören. Ist diese Gemeinschaft eine Tatsache, die wir nur nicht wahrhaben wollen?
Diese Tatsache ist das Boot, in dem wir alle sitzen.
Welche Rolle spielen dabei die Aussagen der Kinder in "LUS"?
Die Hoffnung auf noch unverbogene Gedanken.
Wie kam der Titel "LUS oder Geschmack am Leben" zustande?
Lus ist die Stadt, die in der Genesis als Ort erwähnt wird, in der der Todesengel keine Macht hat - die Menschen also nicht sterben. Der Geschmack am Leben ist der, den man so richtig wieder finden kann, wenn man Totenwaschungen mitgemacht hat.
http://www.3sat.de/page/?source=/film/dokumentarfilm/157541/index.html
Presse
Die aktuelle TV-Kritik. Prisma, Rheinische Post 10/ 2011
Der Hans-Hoff-Blog, Freitag den 14. Oktober 2011
Erwin Michelberger und der Tod
Fernsehen, das noch etwas wagt
"Theoretisch ist das Paradies ja schon, wenn man glücklich lebt." Ein Junge sagt das in Erwin Michelbergers Film "LUS oder Geschmack am Leben". Und es ist nicht die einzige Erkenntnis, die diese 98 - Minuten - Dokumentation so sehenswert macht. In Jerusalem, Hebron, Bad Saulgau und Düsseldorf hat Michelberger nach dem Tod gesucht. Und er hat ihn gefunden - auch und vor allem im Leben. In den Aussagen von Kindern, von Greisen, von Sinnsuchern, von Leichenwäschern, von Scharlatanen. Michelberger mutet dem Zuschauer dabei einiges zu in den über anderthalb Stunden, die er nicht nur mit bewegenden Aussagen füllt. sondern auch mit ausdrucksstarken Bildern.
Einem Toten werden die Fußnägel gereinigt. Sorgsam. Beinahe liebevoll schält der Leichenwäscher den Dreck weg. Ein Bild, das man erst einmal aushalten muss. Mehrfach sind Leichen zu sehen in diesem Film. Michelberger hat beobachtet, wie sie gewaschen werden, wie man mit den leblosen Körpern umgeht, wie man sie beinah zärtlich, noch als Teil des Lebens behandelt. "Ich merke seine Seele, wenn ich ihn wasche", sagt ein Leichenwäscher.
An vielen Orten hat Michelberger den Umgang mit Toten beobachtet. Er hat bei Christen, Juden, Muslimen und Atheisten gefilmt, wie die Lebenden mit denen umgehen, die von ihnen gegangen sind. Der Filmemacher, der schon mit Bruno Ganz und Nam June Paik gearbeitet hat, forscht auf Friedhöfen, in Leichenhallen und in seiner eigenen Jugend. Schwarz-weiße Bilder von spielenden Meßdienern, die über Schuld und das Auge Gottes sinnieren, zeigen sehr offensichtlich, wie Michelberger sozialisiert wurde.
Er zitiert viel Irrationales. Zu hören sind Theorien von Würmern, die unschuldige Tote nicht auffressen, von Knochen, die immer bleiben, wenn der Mensch zu Lebzeiten nur fromm war. Zu hören ist die Frage, ob muslimische Eltern das Herz ihres toten Kindes spenden dürfen, um ein jüdisches Kind zu retten. Zu sehen ist auch der "Körperwelten"-Macher Gunther von Hagens. Alles geht ein bisschen wirr durcheinander, Michelberger liefert an wie ein Schwertransporter, aber er vermeidet das eigentlich folgerichtige Chaos, weil er den teilweise abenteuerlichen Aussagen enorm viel Ruhe im Bild entgegensetzt.
Die Ruhe macht den Film indes nicht leichter verdaulich. Wenn man sieht, wie etwa die "Körperwelten" - Macher an Leichenteilen herum schnitzen, erfordert das vom Zuschauer genau jene Kraft, die dem Medium in diesen Tagen so oft abgesprochen wird. "LUS oder Geschmack am Leben" ist kein einfaches Dokumentarstück. Es ist optisch zudem ziemlich harter Tobak. So etwas sieht man nicht alle Tage. Es ist Fernsehen, das noch etwas wagt. Es ist Fernsehen, das berührt, das bewegt. es ist nichts Alltägliches und gerade deshalb so besonders.
http://www.prisma.de/thema.20111014_hoff.html
Presse
Interview, Rheinische Post 04 / 2011
Dorothee Krings führte das Interview für die Rheinische Post (Düsseldorf Kultur).
Das Bild des Artikels finden Sie in unseren linken Bildleiste.
„[...] „Auferstehung verbindet alle“
Interview. Der Dokumentarfilmer Erwin Michelberger besuchte früher die Filmklasse an der Kunstakademie und leitet hier auch die Filmwerkstatt.
Jetzt kommt sein neuer Film „Lus“ über Sterben und Tod ins Kino.
Der Dokumentarfilmer Erwin Michelberger hat sich mit der Kamera auf den Weg zu Menschen unterschiedlicher Kulturkreise gemacht,, um zu beobachten, wie sie ihre Angehörigen beerdigen und um zu hören, welche Vorstellungen sie von Tod und Auferstehung haben. Am Mittwoch hat sein Film „Lus“ im Atelier Premiere (19 Uhr).
Warum haben Sie sich auf das schwere Thema Tod eingelassen?
Michelberger : Das hat mit der kalten Hand meiner toten Mutter zu tun. Sie ist vor sechs Jahren gestorben, ich kam zu spät und konnte nur noch ihre kalte Hand halten. Das hat mich umgerissen, weil man in so einer Situation natürlich darüber nachdenkt, was einen noch verbindet außer den Erinnerungen. Das war ein einschneidendes Erlebnis für mich, das hat mich auf die Frage gebracht, wie andere Menschen mit dem Tod umgehen.
Sie sind unter anderem nach Israel gereist und haben dort mit Menschen über den Tod und das jenseits gesprochen.
Michelberger: Ja, ich habe mal bei einer Reise den israelischen Architekten Uri Ponger kennen gelernt. Er lud mich ein, mir israelische Bauwerke zu zeigen. Ich dachte natürlich an Häuser, doch er führte mich dann auf Friedhöfe, weil Ponger dort baut – diese hohen Gebäude mit zahlreichen Nischen, in die die Toten geschoben werden. Das hat mich beeindruckt und ich habe dann angefangen darüber nachzudenken, wie etwa die Palästinenser ihre Toten begraben, die haben ja nur so wenig Platz. Also bin ich in die Palästinensergebiete gefahren und habe dort auch mit Muslimen über ihre Tradition gesprochen.
Vertreter aller drei Weltreligionen kommen in ihrem Film zu Wort. Gibt es Gemeinsamkeiten?
Michelberger: Ja, die gibt es, das gemeinsame Dach ist die Auferstehung. Die Vorstellungen davon sind in den einzelnen Religionen zwar sehr Unterschiedlich, aber die Idee der Auferstehung verbindet sie auch.
Sie geben aber auch atheistischen Vorstellungen Raum in ihrem Film. Warum das?
Michelberger: Weil ich selbst ein Suchender bin. Die Vorstellung, dass nichts von einem bleibt, macht das Leben doch schwer. Gerade weil man so viel Schönes erlebt, ist die Vorstellung, dass alles schlicht vergehen wird, doch traurig.
Aber Ihre Filme bleiben doch. Ist das nicht der Trost des Künstlers?
Michelberger: Nein, auch die Filme werden vergehen. Was wird man von all den Werken, die jetzt so wichtig sind, in 40 Jahren noch kennen? Selbst große Regisseure wie ein Scorsese müssen sich das eingestehen, wenn sie ehrlich sind. Ich mache keine Filme weil ich glaubte, dass sie mich unsterblich machen, sondern weil ich gerne Dingen nachgehe.
Mit welchen Gedanken sollen die Zuschauer am Mittwoch die Premiere Ihres Filmes verlassen?
Michelberger: Ich möchte ihre Seele berühren, aber auch ihren Verstand. Die vielen Gedanken zum Tod sollen die Zuschauer selbst zum Nachdenken anregen, damit sie nicht einfach weiterradeln im Leben, als ginge es ewig so weiter. Ich hoffe, dass mein Film so viel bewirkt, dass noch länger etwas in den Zuschauern bohrt."
Presse
Andreas Wilink, K West 11/ 2010
„[...] Methodisch schließt Erwin Michelbergers »Lus« an, zumal das Kameraauge ebenfalls in die Höhe strebt. Der Tod stellt die brennende Frage nach dem Leben – dem irdischen und dem ewigen. Zuvörderst beschäftigt sich »Lus« mit der Sepulkralkultur: Ein jüdischer Toter wird gewaschen, gereinigt und verhüllt. Eine christliche Beisetzung findet statt; im islamischen Ritus wird jemand zu Grabe getragen. Erde zu Erde. Auf dem Boden des Heiligen Landes lässt sich gut sprechen über letzte Dinge, und es zeigt sich, dass die Heimstatt des Herrn kein Ort menschlichen Friedens ist. Gemäß dem Wort Jesu »Lassest die Kindlein zu mir kommen« tauschen sich neben schwäbischen Totengräbern und nahöstlichen Leichendienern auch Jungen und Mädchen über Gottes- und Jenseits-Vorstellungen aus, über paradiesische Zustände, höllische Strafen, irdische Güter, religiöse Ideale und politische Realitäten, bevor die präparierten Leichen des Gunther von Hagens als Anatomie menschlicher Profanisierung einen Kontrapunkt setzen. Dass die Gesichter der Diskutanten vor einem blauen leeren Himmel erfasst werden, so dass alle in einem imaginären Dialog und weit gefassten Symposion vereint scheinen, ist mehr als nur schönes Detail. Grundiert von autobiografischen Erinnerungen, die das Samenkorn für diese reife Reflexion legen, bleibt der Filmautor immer auch auf der Spur des eigenen "Werde, der du bist“."
