„LUS oder Geschmack am Leben“ (2010)

Der Umgang mit dem toten Körper und das fantastische Jenseits - bei Christen, Juden, Muslimen und Atheisten. Angst und Geschmack am Leben.



Synopsis

Synopsis

Dokumentarfilm - Buch, Regie und Herstellungsleitung- 98 Min. In Koproduktion mit ZDF/3 sat, in Zusammenarbeit mit der Filmwerkstatt Düsseldorf. Gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien BKM und der Filmstiftung NRW

Sie hätte ihm besser von der Stadt Lus erzählt, damals, als er die paar Groschen geklaut hatte. Stattdessen hat sie ihm mit dem Auge Gottes gedroht, das alles sieht, bis zu seinem Tod. Während in der Stadt Lus, wie es im ersten Buch Mose heißt, der Todesengel keine Macht hatte, und niemand darin vom Tode heimgesucht werde.

Was tun sie mit dir, wenn du tot bist? Und was denken sie vom Jenseits – die Totengräber, die er schon als Messdiener kennen gelernt hatte? Wie sieht das Jenseits aus – bei den Christen, bei den Juden, bei den Moslems oder bei Atheisten? Wir erleben, wie mit den Toten umgegangen wird – in Bad Saulgau, Düsseldorf oder Guben, in Jerusalem, Haifa oder Tel Aviv, in Hebron oder Qalqilya. Kinder und Halbwüchsige fabulieren von Ecken im Paradies, wo man in die Hölle sehen kann, von der Gleichheit der Seelen, vom ewigen Schlaf. Da entsteht ein gemeinsames Nachdenken und Streiten mit den Alten über Glaube, Beweise und Wahrheit.

Immer noch Angst vor dem Auge Gottes? Und er denkt, erst wenn du stirbst wirst du vielleicht mitkriegen dass du gelebt hast. Jetzt macht Dir etwas anderes Angst: dass die Zeit knapp wird, dass du es nicht mehr schaffst, etwas Einmaliges, etwas Vollkommenes hinzukriegen, etwas, wofür es sich am Ende gelohnt hat. Aber was heißt schon vollkommen? Es gibt nur einen Weg zur Vollkommenheit: zueinander großzügig sein, wahrhaftig, langmütig und friedlich. Nicht fanatisch sein, nicht ungerecht sein, nicht bitter werden. Sich nicht aufplustern, die Angebereien lassen, vieles aushalten, hoffen und sich aneinander freuen. Wer von Euch hat das gesagt?

Credits

Credits


Mit: Mark Andelfinger - Safa Hamad - Avram Drikmann - Qasem Harb - David Winter - Herny Abramovitch - Gunther von Hagens - Moshe Amirav - Raul Teitelbaum - Ahmad Hamad - Julian Storrer - Moritz Eisele - Angela Raei - Mahmoud Sayel - Ibrahim Abu Sbeih - Julian Frick - Lukas Fischer - Eitan Pushett - Kimor Eyal - Gilad Winter - Reut Sar-Shalom - Christian Kümmerle - Sabrina Seidl - Husam Harb - Ayala Sar Shalom - Solem Kubichek - Gershi Rudermann - Yossi Brod - Jonathan Livnoni - Uri Ponger - Vater und Sohn Fischer - Sheik Ahmad Maharmeh - Johann Friedmann

Buch und Regie: Erwin Michelberger – Kamera: Justyna Feicht – Schnitt : Philipp Enders - Kamera -assistenz:  Dusan Solomun, Andreas Faigle – Musik: Harald Schwender – Ton: Philipp Enders – Digitale Bearbeitung: Matthias Paeper – Mischung: Shinya Kitamura – Aufnahmeleitung Israel: Amichai Greenberg – Aufnahmeleitung Westjordanland: Fakhri  Hamad, Nida Abu Hamdieh – Aufnahmeleitung Deutschland: Nadine Diwersi, Erwin Michelberger

Dank an: Paul Behrens, Hugo Birkhofer, Matthias Burth, Timo Königshoven, Heinz Holzapfel, Pfarrer Wolfgang Knor, Maurice Tszorf, Anne und Amos Ponger, Christian Deckert, Denis Rosen, Marc Ewert,  Axel Zschuckelt

Redaktion: Inge Classen, Udo Bremer

Pressestimmen

Pressestimmen

Andreas Wilink, K West  11/ 2010

[...] Methodisch schließt Erwin Michelbergers »Lus« an, zumal das Kamera-auge ebenfalls in die Höhe strebt. Der Tod stellt die brennende Frage nach dem Leben – dem irdischen und dem ewigen. Zuvörderst beschäftigt sich »Lus« mit der Sepulkralkultur: Ein jüdischer Toter wird gewaschen, gereinigt und verhüllt. Eine christliche Beisetzung findet statt; im islamischen Ritus wird jemand zu Grabe getragen. Erde zu Erde. Auf dem Boden des Heiligen Landes lässt sich gut sprechen über letzte Dinge, und es zeigt sich, dass die Heimstatt des Herrn kein Ort menschlichen Friedens ist. Gemäß dem Wort Jesu »Lassest die Kindlein zu mir kommen« tauschen sich neben schwäbi-schen Totengräbern und nahöstlichen Leichendienern auch Jungen und Mädchen über Gottes- und Jenseits-Vorstellungen aus, über paradiesische Zustände, höllische Strafen, irdische Güter, religiöse Ideale und politische Realitäten, bevor die  präparierten Leichen des Gunther von Hagens als Anatomie menschlicher Profanisierung einen Kontrapunkt setzen. Dass die Gesichter der Diskutanten vor einem blauen leeren Himmel erfasst werden, so dass alle in einem imaginären Dialog und weit gefassten Symposion vereint scheinen, ist mehr als nur schönes Detail. Grundiert von autobiografischen Erinnerungen, die das Samenkorn für diese reife Reflexion legen, bleibt der Filmautor immer auch auf der Spur des eigenen »Werde, der du bist«.